Stille…

21/02/2013

wunderbare, wohltuende Stille, immer wieder donnerstags um die Mittagszeit. Donnerstag ist der Tag, an welchem ich länger arbeite, noch schnell anstehende Besorgungen erledige und dann erst um ganz kurz vor 13 Uhr das jüngste Bübchen aus dem Kindergarten abhole, um dann in Ruhe und Eintracht ein kurzes Mittagessen einzunehmen. So ganz ohne Streit und Trubel und Geschrei und Genörgel, denn die beiden anderen Jungs essen an diesem Tag in der Schule zu Mittag und kommen dann erst um 13:30 bzw. um 15:30 Uhr nach der Mittagsschule wieder hier an. An den anderen Wochentagen sieht das alles ganz anders aus: ich komme gleichzeitig mit den beiden großen Jungs hier an, den kleinen habe ich schon aus dem Kindergarten abgeholt, alle drängen sich auf einmal ins Haus, Taschen, Ranzen, Schuhe, Jacken werden auf die ersten zwei Quadratmeter im Hausflur geschmissen, dabei tritt man sich das ersten Mal gegenseitig auf die Hände/Füße/sonstwas, brüllt dann rum, stolpert dann über Taschen, Ranzen, Schuhe, Jacken, brüllt dann wieder, schimpft und rennt dann hoch in die Küche, kommt wieder runter, meckert, daß es noch nichts zu essen gibt (????) tritt nochmal jemand auf die Hand, während man versucht, den Schulranzen/die Kindergartentasche aus dem Haufen auf den ersten zwei Quadratmetern zu ziehen, um an die Vesperdose mit diversen Essensresten zu gelangen, damit man bis zu dem Zeitpunkt, an dem es bitte schön ENDLICH Mittagessen gibt, nicht verhungert. Ich stehe immer noch an der Haustür, die Tagespost auf dem Arm, die Arbeitstasche umgehängt, in den Händen schneenasse Handschuhe und diverse Basteleien und Bilder aus dem Kindergarten des Jüngsten. Irgendwann habe ich es dann auch geschafft, mich durch die Voralpen im Flur zu kämpfen, überlege, wo ich meine Tasche, die Post und die Basteleien ablegen könnte (die lange Bank ist inzwischen belegt von leeren Brotdosen, Trinkflaschen und Bröseln), damit ich die Hände frei habe, um mir mal die Schuhe ausziehen zu können. Ich werde aber natürlich in meinen hochkomplizierten Überlegungen gestört: „MAAAAMAAAAA! Was gibt es zum Essen? Ich verhunger jetzt sofort auf der Stelle, wenn ich nicht JETZT was zum Essen bekomme!!“ Äh, ja… Mittagessen… „Ich muß mal in den Kühlschrank sehen, was wir so da haben…dann gibt es gleich was!“ „JETZT!! Ich VERHUNGER!“ Inzwischen habe ich irgendwo die Sachen auf den Boden geworfen und versuche Schuhe, Mütze und die warme Winterjacke irgendwie loszuwerden. Gerne klingelt dann auch noch in solch einer Situation das Telefon (steht im oberen Stockwerk, man muß die Treppe, über drei Kinder hinweg hochhechten, damit man vor dem Anrufbeantworter dort ist), und nach dem man atemlos am Apparat angekommen ist, ein „Ja, hallo, hier FrauQ!“ hineinhaucht erklingt auf dem einen Ohr „Einen wunderschönen Guten Tag, mein Name ist Frau Nervenraub. Ich rufe vom Umfrageinstitut Ismirdochegal an und hätte nur ein paar klitzekleine Fragen an Sie zum Verhalten Ihrer Hausmäuse….“, auf dem anderen Ohr ohrenbetäubendes Gebrüll: „DER ist mir gerade auf die Hand getreten!!“ „Und DER hat mir mein letztes Krümelchen Nute**abrot weggessen, ich verhunger, sofort!“ „MAAAAMAAAAA! Was gibt es zu Essen???!“. „Äh, tut mir leid, liebe Frau Nervenraub, ich habe grad keine Zeit…Kinder…Mittagessen….keine Zeit…“ „Aber meine Umfrage dauert doch nur fünf Minuten, jetzt haben Sie sich mal nicht so!“ „NEIN!! ICH! HABE! JETZT! KEINE! ZEIT! Vielen Dank für ihren Anrufen, auf Wiederhören!!“ *tuttuttuttut*. „Jungs! RUHE!“ Mit diesen Worten verschanze ich mich dann erstmal in der Küche und versuche etwas Mittagessen zu zubereiten. Mittlerweile ist dann meist schon der Herr Gemahl hier eingetroffen, aber nicht um mich hier tatkräftig bei der Bändigung der Raubtiere zu unterstützen, nein, sondern sich direkt auf die Flucht in das ruhige, abgelegene Arbeitszimmer zu begeben, allerdings nicht ohne sich zuvor noch die Zeitung aus dem alpinen Vorland unseres Flurs zu fischen. Irgendwann kann ich dann auch die halb verhungerten Jungs, so kurz vor dem Hungertod, retten, um dann ein gemütliches Mittagessen bei netten Gesprächen „Wie war es denn so in der Schule? Hattest Du einen schönen Tag?“ haben zu können. Na ja, meist ist es eher so, daß mindestens einer über das Essen meckert, der andere das Getränk über den ganzen Tisch verschüttet und der dritte alles andere sowieso und überhaupt voll doof findet. Ich sehne mich dann nur noch nach einem heißen Milchkaffee und zehn Minuten kinderfreier Zone, bevor ich wieder herhalten muß, weil die Lehrerin viel zu schwierige, viel zu lange, viel zu blöde Hausaufgaben aufgegeben hat und ich (natürlich!) daran schuld bin. Und donnerstags, ja donnerstags, ist das alles viel besser, schöner, ruhiger, entspannter. Bis dann das mittlere Bübchen hier einfällt. Aber dann hatten das kleinste Bübchen und ich ja immerhin schon eine sehr entspannte halbe Stunde! Lang lebe der Donnerstag!

Schneevongestern

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3 Antworten to “Stille…”

  1. Uta said

    Frau Q, ich fall gleich von Sofa vor lachen…..! Ich weiß, in solchen Situationen ist einem NICHT zum Lachen, aber es ist so herrlich aus dem Leben geschrieben!
    Und was mich am meisten schockiert ist die Tatsache, dass es mir ansatzweise mit zwei (zwei!) Jungs so geht und die erst mal 1 und 2,5 sind.
    Sie haben mir also vor Augen geführt, was mich noch so erwartet 🙂
    Lieben Gruss
    Uta

    • paulaqu said

      Ja, ja….und nun liegen alle brav im Bett, es dröhnen nur noch die diversen CD-Player durch die Zimmer (wie man bei solch einer Lautstärke einschlafen kann ist mir schleierhaft…) und ich werde mich nun in ein Entspannungsschaumbad begeben (ist heute dringend nötig, der weitere Nachmittag war dann doch weniger still).
      Liebe Grüße zurück!

  2. Ach meine Liebe, so hat jeder seine Last :-). Ich ahne, dass der Winter in der Heimat dieses Mal recht unerbittlich ist. Hier ist es ja schon ungemütlich…ich wünsche gute Nerven und stets einen gut gefüllten Kühlschrank (daran hakt es bei uns schon). Ich denke oft an Sie – läuft hier doch oft ein Kind in entzückendem Fischpulli herum. Liebe Grüße.

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